UBB FSEGA
Der Deutschsprachige Studiengang

Studium in deutscher Sprache

Dialog mit Professor Norbert Thom

Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Norbert Thom, als deutsch-schweizerischer Wirtschaftswissenschaftler, hat an mehreren Universitäten im deutschsprachigen Raum gelehrt und geforscht (Köln, Gießen, Freiburg/Schweiz, Bern), insbesondere in den Bereichen Organisation, Personal und Innovation. Zwischen 1991 und 2012 war Professor Thom Direktor des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern. Innerhalb seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit hat Prof. Thom in fast 70 Universitäten in 13 Ländern Gastvorlesungen angeboten und 50 Dissertanten auf dem Weg zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften begleitet. Professor Thom hat sich im Laufe der Jahre in verschiedenen Ämtern engagiert, sowohl in der Verwaltung der Universität, als auch in der betrieblichen Praxis. Nach seiner Emeritierung (im Jahre 2012) bleibt Professor Thom weiterhin im Lehr-und Forschungsbereich aktiv, übernimmt Gastprofessuren im Ausland und ist Mitglied zweier Verwaltungsräte international tätiger Unternehmen.


Professor Thom war seit Herbst 2008 an der Babeș-Bolyai Universität (BBU) aktiv, als zum ersten Mal das Fach Internationales Organisationsmanagement und im Frühlingssemester 2009 das Fach Change Management im Masterstudiengang eingeführt wurden und ich die begleitenden Übungen übernehmen durfte. Sechs Jahre lang hat Prof. Thom  Vorlesungen in diesen beiden Fächern angeboten, aber auch weitere Vorträge z.B. zum Anlass des 10-jährigen Jubiläums des deutschsprachigen Studiengangs unserer Fakultät, im Rahmen des wissenschaftlichen Seminars (CEBSS) usw. Prof. Thom erhielt 2010 den vollverdienten Titel als Professor honoris causa und wurde somit Mitglied der akademischen Gemeinschaft der BBU. Nach unserer mehrjährigen Kooperation fand eine Stabübergabe statt: ich durfte die Vorlesungen übernehmen und ständig weiterentwickeln. Die Stabübergabe galt aber nicht als Abschied: Professor Thom bleibt weiterhin ein wichtiges Mitglied unseres deutschsprachigen Studiengangs, dessen Erfahrung und Input wir sehr schätzen.


Obwohl Professor Thom über eine breite mehrsprachige Lehr-und Forschungstätigkeit verfügt, hat die deutsche Sprache für ihn einen besonderen Stellenwert. Aufgrund seiner mehrjährigen Lehrerfahrung, sowohl als Gastdozent an der FSEGA, wollten wir Professor Thom gerne fragen, warum das Lernen dieser Sprache und das Absolvieren eines Studiums der Wirtschaftswissenschaften und Unternehmensführung in deutscher Sprache wesentliche Vorteile bringt. 


„Seit meiner Gymnasialzeit in Köln war ich sehr bemüht, Fremdsprachen zu erlernen. Mit viel Disziplin ist es mir gelungen, später als Universitätsprofessor in drei Sprachen unterrichten zu können: Deutsch, Englisch und Französisch. Genau hier sehe ich einen enormen Vorteil kontinentaleuropäischer Forscher und Lehrer auf Universitätsniveau: während viele von uns auch Fachliteratur in anderen Sprachen berücksichtigen, bleiben die meisten Kollegen aus den USA und UK einsprachig.


Je mehr ich mich mit anderen Sprachen befasste, um so mehr lernte ich die Genauigkeit und den Variantenreichtum meiner Muttersprache Deutsch zu schätzen. Deutsch ist als Wissenschaftssprache sehr geeignet. Man denke nur an die vielen großartigen Werke z.B. von Philosophen, Theologen, Natur- und Ingenieurwissenschaftlern, die komplexe Sachverhalte in einer klaren Gedankenfolge und präzisen Terminologie kommuniziert haben.


Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht spielt die deutsche Sprache eine beachtliche Rolle. Dies liegt zunächst an der grossen Wirtschaftskraft Deutschlands. Als Exportnation nimmt Deutschland weltweit eine führende Position ein, umgerechnet ist die Exportleistung pro Kopf der Bevölkerung absolut herausragend. Auch Österreich und die Deutschschweiz sind sehr starke Exporteure. Diese drei genannten Wirtschaftsregionen investieren zudem umfangreich im Ausland (z.B. in Tochtergesellschaften) und schaffen dort Arbeitsplätze.


Innerhalb der EU ist Deutsch die am meisten gesprochene Muttersprache der EU-Bürger. Nicht nur in den drei genannten Gebieten, sondern auch in Süddänemark, in Ostbelgien, in Westpolen, in Südtirol und in Siebenbürgen gibt es deutschsprachige Minderheiten. In Ungarn ist auch eine bedeutende deutsche Minderheit zu treffen. Nicht zu vergessen ist Liechtenstein, das Deutsch als Nationalsprache pflegt.


Europa hat viele Weltidiome und überregionale Sprachen hervorgebracht. Neben dem dominierenden Englisch sind das Spanische, Französische, Portugiesische und Russische zu nennen. Deutsch ist eine überregionale Sprache mit erheblichem Stellenwert in Europa. Der kulturelle, wissenschaftliche, technologische und wirtschaftliche Rang der deutschsprachigen Regionen fördert die Attraktivität der deutschen Sprache. Die Deutschkurse in den weltweit präsenten Goethe-Instituten sind sehr gut ausgebucht. Trotz einiger Schwierigkeiten, die mit dem Deutschlernen verbunden sind, wollen sich immer mehr Menschen Deutsch als Fremdsprache aneignen.


An der Babeș-Bolyai Universität (BBU) in Cluj-Napoca hat man die Möglichkeit, die deutsche Sprache mit nützlichen Studieninhalten zu verbinden. Dazu gehören zweifelsfrei die deutschsprachigen Studien in Wirtschaftswissenschaften und Unternehmensführung. Ich habe selbst an der BBU sechs Jahre lang Masterkurse in deutscher Sprache gegeben. Die Deutschkenntnisse der Studierenden haben mich beeindruckt. Der Fakultätsleitung ist es gelungen, ein leistungsfähiges Netzwerk von Gastprofessoren aus dem deutschsprachigen Ausland zu organisieren. Verschiedene rumänische Hochschullehrer haben mich stets durch ihre Deutschkenntnisse im Bereich der Unternehmensführung überzeugt.


Ich bin sicher, dass man durch ein deutschsprachiges Studium die individuelle Arbeitsmarktfähigkeit verbessern kann. Nutzen Sie das Angebot dieser mehrsprachigen Universität, die bestens zur europäischen Tradition und Zukunft passt. Echte Europäer sprechen nicht nur ihre Muttersprache. Deutsch ist eine lohnende Fremdsprache.“



Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Norbert Thom
Ehrenprofessor der BBU
Emeritus der Universität Bern/Schweiz

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