UBB FSEGA
Der Deutschsprachige Studiengang

Vom Student zum Professor und vom Professor zum Student

 


Seit fünf Jahren bin ich Studentin und somit dachte ich, dass ich alles über das Studentenleben weiß. Die drei Blockvorlesungen in Hochschuldidaktik mit Herrn Prof. Dipl.-Phys. Hans-Peter Voss von der Universität Karlsruhe, Deutschland, haben mir jedoch gezeigt, dass der Begriff “Student” aus vielen Richtungen betrachtet werden kann.


Ich habe das Glück und die Ehre alle Phasen des Studentenlebens durchzulaufen und durch die Vorlesung über Hochschuldidaktik bereite ich mich nun langsam vor, auch vor den Studenten zu sein, dieses Mal als lehrender Teil, aber weiterhin auch als Lernender.


Die Richtung, welche während den Vorlesungen übermittelt wurde, ist gerade aus. Man betrachtet das Studentendasein klar und deutlich, indem man vor den Studenten steht und ihre wissensgierige, verschlafene, gelangweilte Gesichter betrachtet. Der Sinn der Vorlesung war es, die Stundenten erstens besser wahrzunehmen und zu erkennen, und danach ihre Blicke während eines Seminars als Ganzes beschreiben zu können, und zwar interessiert, gespannt und neugierig.


Herr Professor Voss hat genau die Techniken, welche wir erlernen sollten, an uns angewendet, damit wussten wir auch schon seit dem Anfang, dass diese funktionieren.


Die erste Vorlesung galt als Einführung in dem Sinn der Lernens und damit auch in dem Sinn des Lehrens.  Der Begriff des “Aha-Erlebnisses” tauchte auf und in den Gesichtern der Anwesenden konnte man das Aha-Erlebniss bemerken. Alles machte nun mehr Sinn. Das Stichwort war “Interesse wecken” und nur dann lehren. In unserer Gruppe von Lehrenden und zukünftigen Lehrenden wurde das Interesse mit einer Münze geweckt.


Herr Professor Voss stellte uns die Lage vor: eine Münze, welche festgenagelt ist und eine andere Münze, welche sich um die Erste dreht. Frage: Wie viele volle Umdrehungen schaft die mobile Münze, bis sie die feste Münze ganz umkreist?


Da mussten die Studenten nachdenken. Doch genau das war der Sinn der Aufgabe: selber nachdenken, Interesse wecken und vielleicht auch einige Lachanfälle. Die Antworten auf der Frage waren verschieden. Einige holten Münzen aus der Tasche und versuchten eine praktische Lösung zu finden. Letztendlich gab uns Herr Professor Voss die Antwort und viele verstanden nicht, warum die Münze sich zwei Mal dreht. Eine kurze Erklärung folgte und aus dem verwunderten Gesichter wurden perfekte Abzeichnungen der “Aha-Erlebnisse”!


Nach der ersten Vorlesung des Kennenlernens und der Entdeckung des Lehrsinnes folgte bei der nächsten Vorlesung die Analyse des eigenen Lehrens. Wie Wissenschaftler versuchte jeder sich auf dem Schema der Dimensionen professioneller Hochschullehre einzustufen, um eine gerechte Sichtweise über das eigene Lehren zu bekommen. Auch das brachte Lächeln auf viele Gesichter, da in einigen Fällen Ähnlichkeiten auftauchten oder sogar Überraschungen. Die folgende Diskussion zeigte, dass jede Schwäche mit der Zeit in einer Stärke umgewandelt werden kann und jede Stärke entsprechend gepflegt werden kann. Die Professoren mit mehr Erfahrung gaben den zukünftigen oder eher neuen Lehrkräften Ratschläge und Tipps, wie genau die erkannten Schwächen aufgehoben werden können. So entstand ein Netzwerk von Ideen aus welchem sich jeder das Passende herausfiltern konnte. Ich spreche für mich, wenn ich sage, dass ich an dem Tag den ganzen Weg nach Hause genau über meine Stärken und Schwächen nachgedacht habe und nach Lösungen gesucht habe, diese entweder abzubauen oder zu entwicklen.


Bei der letzten Vorlesung ging es nun über die Entwicklung der Kreativität, über wie der Student besser verstehen kann und sich die Information auch besser aneignen kann. Es ging nicht mehr genau um die Lehrenden, sondern um die Art und Weise, durch welche sie eine Beziehung mit den Studenten aufbauen, um eine Hilfe beim Lernen und Verstehen anbieten zu können. Es ging um Methoden, um Techniken um die Informationen besser an den Studenten zu bringen.


Die letzte Vorlesung enthielt auch die Meinungen der Anwesenden über was sie gelernt haben und wie ihnen das Gelernte nun weiter helfen wird.


Beeindruckend fand ich, dass sogar die Professoren mit viel Erfahrung erkannt haben, dass sie auch, genau wie ihre Studenten, ständig dazu lernen, sich ständig entwickeln und anpassen müssen. Für mich persönlich war das auch eine Einsicht, die in meiner Entwicklung eine Rolle spielt. Eine solche Vorlesung sollte von jeder zukünftiger Lehrkraft besucht werden, aber auch von denjenigen, welche schon viel Erfahrung in diesem Bereich haben. Es hilft sowohl zur Weiterentwicklung, als auch zur Entdeckung des Weges auf dem man sich in der Zukunft entwickeln möchte.


Durch diese Vorlesung über Hochschuldidaktik habe ich eine neue Perspektive über das Studentenleben dazu gewonnen. Herr Professor Voss bildet Brücken zwischen Professoren und Studenten durch Empathie, Sachkenntnisse, Verständnis und Interesse, denn um Interesse zu wecken, muss man auch Interesse zeigen.

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